Archiv für den Monat: April 2011

MindMapping als Hilfe zum Lernen, Lehren und Forschen

„Mind Mapping ist für das Zeitalter 
der Raumfahrt und Computer, was 
linear strukturierte Konzepte für das
 mittlere und angehende Industriezeitalter waren.“
Tony Buzan

Das Wissen zu einem bestimmten Fachgebiet lässt sich nicht linear, als Hierarchie von Wissensinhalten, darstellen – denn dabei gehen die Verknüpfungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Wissensinhalte verloren. Andererseits wird Wissen in Büchern und Artikeln wie auch in Vorträgen (auch in Lehrveranstaltungen) linear vermittelt – weil die Medien diese „Eindimensionalität“ vorgeben.

Nebenbei sei bemerkt, dass ich in meiner Dissertation zum Gottesverständnis des Paulus (dort S. 403ff.) u.a. die These vertreten habe, dass sich die Theologie des Paulus nicht angemessen auf eine lineare Weise darstellen lässt, sondern dass man dazu ein mehrdimensionales Medium bräuchte, um die gegenseitigen Abhängigkeiten und Vernetzungen der einzelnen Aspekte des paulinischen Denkens auch nur annähernd modellhaft anzugeben.

Ein Mittel, Wissens- und Gedankeninhalte auf eine nicht-lineare Weise darzustellen, die unserem Denken entgegenkommt, ist das MindMapping: Eine MindMap ist eine „Landkarte“ der Gedanken zu einem Thema oder des Wissens zu einem bestimmten Fachgebiet.

MindMapping eignet sich für Lehrende und Lernende in verschiedenen Szenarien:

  • Forschen
  • Lernen
  • Lehren

Forschen
Vielleicht kennen Sie das auch: Bevor sich ein Blatt – oder in unserer Zeit wohl eher ein Computerbildschirm – füllt, herrscht zunächst ein ungeordnetes Chaos von Gedanken zu einem bestimmten Thema im Kopf. Nicht selten blockiert gerade dies: Wo soll man denn dabei anfangen?
Dabei kann ein MindMap helfen, das Gedanken-Chaos zu strukturieren, um ein Paper, eine Hausarbeit oder einen Aufsatz zu gliedern. Mit der entsprechenden Software, die ich in einem anderen Beitrag vorstelle, kann man aus einem MindMap gleich eine Gliederung generieren.

Lernen
Für Studenten dürfte dagegen das zweite Szenario von vorrangigem Interesse sein: MindMaps können helfen, sich einen Überblick über eine große Stoffmenge zu verschaffen und sind so eine hervorragende Lernhilfe. Dabei kann das gesamte relevante Wissen zu einem Thema in Stichwörtern in der gegenseitigen Abhängigkeit der Wissensinhalte dargestellt werden. Beim Lernen kann man gewissermaßen in das Wissensgebiet „hineinzoomen“, um sich Einzelheiten einzuprägen – diese können dabei gern auch extern, z.B. auf Karteikarten, abgelegt sein. Man kann aber auch mithilfe einer MindMap wieder „herauszoomen“, um so einen Überblick über das gesamte Gebiet zu erhalten.
Ich habe erstmals im Examensrepetitorium im Wintersemester 2010/11 mit MindMaps gearbeitet und halte dieses Verfahren für sinnvoller, als lineare Auflistungen von Wissensinhalten, um z.B. Gliederungen von Examensklausuren, „zu pauken“. Die Studierenden haben diese Methode sehr begrüßt.

Lehren
Auch für Lehrende können MindMaps eine Hilfe sein, z.B. kann man aus einer ungeordneten Menge an Gedanken – ganz wie beim Szenario Forschen – die Struktur einer Lehrveranstaltung oder einer Veranstaltungsreihe (z.B. die Semesterplanung) generieren. Oder aber, mit MindMaps kann man den Stoff eines Vortrags visualisieren und komplexe Zusammenhänge darstellen.

Den Anwendungsmöglichkeiten von MindMaps in Forschung und Lehre und beim Lernen sind kaum Grenzen gesetzt. Dies soll nur eine erste Anregung sein.
In einem anderen Beitrag werde ich Software vorstellen, mit denen An dieser Stelle sollte es um das Grundsätzliche gehen. Wer mehr zum Thema erfahren will, sollte zum Buch des „Erfinders“ der MindMaps greifen, Tony Buzan. Oder aber das Internet bietet bereits eine Reihe von Hilfen, die Ihnen die Technik des MindMapping nahe bringen wollen:

(c) am Bild: Sebastian Staendecke, modern-props / pixelio.de

Wie verwendet man griechischen Schriftarten auf PC und Mac?

Die Zeiten, in denen man zwischen verschiedenen Schriftarten wechseln musste, um Text in griechischen (oder hebräischen) Schriften anzugeben, sind vorbei. Es gibt dafür eine einfache Lösung: Unicode. Das bedeutet auch, dass es nicht mehr empfehlenswert ist, die BibleWorks-Schriftarten, die eine prorietäre Tastaturbelegung haben, zu verwenden, auch wenn sie kostenlos verfügbar sind.

Für alle Verwender von Word for Mac: Interessanterweise muss man für Word for Mac die Windows-Version der Schriften installiert haben – sonst werde sie nicht in Word erkannt und angezeigt.

Die einfachste Möglichkeit, auf einem Computer Griechisch zu schreiben, ist, die Tastaturbelegung auf Griechisch umzustellen.  Beim Betriebssystem Windows XP, Vista und 7 wird dies „Eingabegebietsschema“ genannt. Zunächst müssen Sie Griechisch als alternatives Sprach- und Tastaturschema einstellen. Dies tun Sie unter:

StartSystemsteuerungRegions- und Sprachoptionen. Auf der zweiten Registerkarte „Sprachen“ drücken Sie auf „Details“, dann „Hinzufügen“. Hier wählen Sie „Griechisch“ aus. Sie finden nähere Informationen in der Dokumentation Ihres Betriebsprogramms oder auch im Internet.

Um nun in einem Texteditor die Sprache zu ändern, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Sie drücken in der Taskleiste auf die die Buchstaben „DE“ und wählen dann „EL“ (für Griechisch) aus.
  2. Sie verwenden die Tastenkombination ALT+SHIFT.

Nun können Sie auf Griechisch schreiben. Weitere Erläuterungen finden Sie hier.

Falls Sie einen Mac besitzen, funktioniert es ähnlich. Sie gehen hier in die Systemeinstellungen und wählen hier das Icon „Sprache & Text“ aus. Dann gehen Sie zur Registerkarte „Eingabequellen“. Dort wählen Sie „Griechisch Polytonisch“ aus. Um in einem Texteditor Griechisch zu schreiben, drücken Sie entweder auf die Landesflagge in der Mac Taskleiste, oder Sie drücken die Tastenkombination CMD+ALT+LEERZEICHEN. Mehr hierzu gibt es hier.

Es gibt auch Hilfsmittel für die Eingabe (Programme, die die Tastaturbelegung umschalten), z.B. hier. (Ich habe dies aber nicht getestet.)

Bei Problemen bei der Zeichendarstellung erfahren Sie hier mehr.

Nun brauchen Sie noch eine unicode-fähige Schriftart. Wenn Sie einen griechischen Text in einer nicht-unicode-fähigen Schriftart schreiben, sieht er so aus, wie hier oben dargestellt: Die mit Akzenten versehenen griechischen Buchstaben werden in einer anderen Schriftart als  dargestellt, was ein unschönes, unruhiges Schriftbild erzeugt.

Dieses Problem umgehen Sie, wenn eine unicode-fähige Schriftart verwenden. Auf Windows sind schon lange folgende unicode-fähige Schriftarten installiert (weitere dürften hinzu gekommen sein):

  • Palatino Linotype (Serifenschrift),
  • Arial Unicode MS (serifenlos) und
  • Lucida Sans Unicode (Festbreitenschriftart).

Sie können dann entweder Ihren gesamten Text z.B. in Palatino Linotype schreiben, oder aber Sie ändern nur die Schriftart des griechischen Textes in die entsprechende Schriftart.

Auf einem Mac sind als unicode-fähige Schriftarten installiert (aktuell auch weitere):

  • die Serifenschriftart Times (seit OS 10.4) – seit OS 10.5 Times New Roman –,
  • die serifenlose Helvetica sowie
  • Lucida Grande (Festbreitenschriftart, seit OS 10.2).

Sie können natürlich auch jede andere unicodefähige griechische Schrift verwenden. Einige schöne griechische unicode-fähige Schriftarten finden Sie hier. Die Schrift SIL Apparatus enthält sogar alle textkritischen Zeichen des Nestle-Aland. Beachten Sie bitte, dass sich bei der Verwendung einer anderen Schriftart u.U. die Tastaturbelegung ändert. Konsultieren Sie hierzu die Dokumentation zur entsprechenden Schriftart.

Nun brauchen Sie noch eine Quelle, aus der Sie griechische Texte importieren können. Aus BibleWorks können Sie die Texte nicht mehr importieren, weil die BibleWorks Fonts nicht unicodefähig sind. Mehr Glück haben da die Accordance-Benutzer auf dem Mac. Aber auch als Windows-Benutzer müssen Sie trotzdem nicht abtippen. Bibeltexte und andere griechische Texte erhalten Sie in Unicode aus verschiedenen Quellen:

  • beim Wissenschaftsportal der Deutschen Bibelgesellschaft – hier finden Sie u.a. Nestle-Aland (27. Auflage), LXX und BHS
  • in der umfangreichen Textsammlung „Perseus
  • aus dem TLG, auf den Sie über die Elektronischen Ressourcen vieler Universitäten Zugriff haben; für Münchener Studenten: den TLG finden Sie hier. Dazu müssen Sie Ihren Computer richtig konfigurieren, was ich an anderer Stelle erkläre.

Um nun Ihre Texte mit griechischen Schriften auch auf anderen Rechnern richtig darzustellen, verwenden Sie am besten das Portable Document Format (PDF). Wenn Sie ein Word-Dokument o.ä. weitergeben, muss der Empfänger des Textes dieselben Schriftarten auf seinem Rechner installiert haben wie Sie. Hat er diese nicht, kann er u.U. Ihren Text gar nicht lesen, oder er wird durch eine Schriftartenersetzung u.U. falsch  dargestellt. Dieses Problem umgehen Sie mit PDFs.

Es gibt einige kostenlose Programme, mit denen Sie über die Druck-Funktion der Anwedungsprogramme ein PDF erstellen können. (Auf dem Mac funktioniert das ohne Zusatzprogramme). Sie können dies aber auch aus OpenOffice – neuerdings als LibreOffice weiterentwickelt – heraus tun; hier gibt es eine Exportfunktion für PDFs. Achten Sie darauf, dass in Ihrem virtuellen PDF-Druckertreiber bzw. in OpenOffice in den Einstellungen „Schriftarten einbinden“ o.ä. ausgewählt ist.

Meine Studie zum Gottesverständnis des Paulus

Gott alles in allem

Im Februar 2011 ist meine Dissertation in Buchform in der Reihe Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament als Band 129 erschienen. Sie trägt den Titel: „Gott alles in allem“ (1 Kor 15,28). Studien zum Gottesverständnis des Paulus im 1. Thessalonicherbrief und in der korinthischen Korrespondenz.

Ich zitiere hier die Inhaltsangabe auf der Rückseite:

„In diesem Buch stellt der Verfasser dar, wie der Apostel Paulus in seinen Briefen an die Christen in Thessaloniki und Korinth über Gott gedacht und geschrieben hat. Erstaunlicherweise ist diese wichtige Frage selten und kaum so detailliert erörtert worden. Den Fachgelehrten schlägt der Autor in einer Reihe von Einzelfragen neue Lösungen vor. Die Forschungsgeschichte zu den einzelnen Themen wird genau aufbereitet, und wichtige Abschnitte der untersuchten Schreiben werden ausführlich und detailliert ausgelegt.“

Zunächst stelle ich die Forschungsgeschichte zum Thema dar, wie Paulus von Gott spricht und denkt, dann die obligatorischen methodischen Erörterungen (Kapitel I, S. 1-24). Danach werfe ich einen Blick auf die „Traditionselemente und Horizonte für das Gottesverständnis des Paulus“ (Kapitel II, S. 25-30). Daran schließt der Hauptteil an (Kapitel III-V, S. 31-395). Hier stelle ich dar, wie Paulus im Thessalonicherbrief und in der korinthischen Korrespondenz von Gott redet. Das Ziel ist, durch die Oberfläche des Textes zum Gottesverständnis des Paulus vorzudringen und die Elemente seiner „Theo-logie“ in ihrem Zusammenhang darzustellen. Ein jeweils das Kapitel abschließender Abschnitt fasst das im jeweiligen Schreiben ausgesprochene oder aber das implizit vorausgesetzte Gottesverständnis dar. Diese Abschnitte sind Beiträge zur Theologie des Paulus im 1. Thessalonicherbrief und in der korinthischen Korrespondenz. Die behandelten Stellen sind stets wichtige und häufig erörterte Texte, wie z.B. 1Thess 1,9-10; 2,13-16; 1Kor 1,10–4,21; 8,4-6; 15; 2Kor 4,4-6; 5,14-21; 13,13. Eine zusammenfassende Darstellung der „Konturen des paulinischen Gottesverständnisses“ (Kapitel VI, S. 397-412) schließt den Band ab.

Die Zusammenfassung zeigt, dass Paulus je nach Kommunikationssituation seine Rede von Gott auf bestimmte Aspekte zuspitzt, dass aber dennoch Grundkonstanten seines Gottesverständnisses erkennbar und darstellbar sind. Die Darstellung dieser Grundkonstanten ist ein Beitrag zur Theologie des Paulus.

Fünfzehn zum Teil umfangreiche Exkurse, die auf S. XVI des Inhaltsverzeichnisses aufgelistet sind, vertiefen Aspekte des Haupttextes. Dazu gehören:

  • geschichtliche Erörterungen (z.B. „Ist 1Thess 2,14-16 eine Interpolation?“, S. 151-155; „Die partizipiale Gottesprädikation Gott, der Jesus Christus von den Toten erweckte bei Paulus“, S. 385-387);
  • Wort- und Motivgeschichtliche Studien;
  • Abrisse zu zentralen Themen der paulinischen Theologie (z.B. „Gott als Schöpfer – ein Grundthema der paulinischen Rede von Gott“, S. 184-198; „Zum Verhältnis von Kreuz und Auferweckung Jesu Christi von den Toten im Evangelium des Paulus“ – also die Frage danach, ob Paulus eine Kreuzes- oder eine Herrlichkeitstheologie vertritt –, S. 304-306).

Zu mehreren exegetischen Problemen schlage ich neue Lösungen vor. Dazu gehören:

  • die Übersetzung und Interpretation von 2Kor 3,18 (S. 330-337)
  • die Erklärung des motivgeschichtlichen Hintergrundes von 1Kor 15,24-28, die meines Erachtens nicht aus der jüdischen Apokalyptik abgeleitet werden soll, sondern vor dem Hintergrund zeitgenössischer politischer Praxis verstanden werden muss  (S. 281-290)
  • die Interpretation des paulinischen Motivs der „neuen Schöpfung“ (καινὴ κτίσις), die meines Erachtens nicht die Erneuerung des einzelnen Gläubigen meint, sondern den Neuanfang Gottes mit der Welt, die – wie bei Deuterojesaja – als „neue Schöpfung“ interpretiert wird (S. 349-359).

Das Buch gibt es in allen Buchhandlungen, auch im Internet. Mehr dazu auf der Internetseite des Verlages.

Ein Fund aus Athen in Oberbayern.

Im Schlosspark Gauting habe ich diesen interessanten Fund gemacht: Das recht berühmte Grabmal der Hegeso aus klassischer Zeit (5. Jh. v. Chr.) aus Athen (fotografiert mit der CANON EOS 550D mit ISO 100, f=6,4, 1/125):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Informationen hierzu gibt es hier; alle Zitate stammen von dieser Seite des „Virtuellen AntikenMuseums“ der Uni Göttingen.

Demnach wurde dieses 1,49 m hohe Grabmal aus Marmor um 430/20 v. Chr. geschaffen. Gefunden wurde es 1870 auf dem Friedhof außerhalb der Stadtmauer des antiken Athen beim Töpferviertel (Kerameikos). Beschrieben wird es wiefolgt:

„Auf dem Relief ist Hegeso als eine sitzende Frau dargestellt, die sich von einer vor ihr stehenden Frau ein Kästchen reichen lässt. Aus dem Kästchen hat sie etwas, wahrscheinlich eine Kette oder ein Band, herausgenommen. Es war auf den Hintergrund aufgemalt war und ist heute nicht mehr zu erkennen. Hegeso ist aufwendig in Chitongriechisches Untergewand aus dünnem Stoff, mit oder ohne Ärmel, knielang für Männer bzw. lang für Frauen. und Himation gekleidet, während die vor ihr stehende Frau nicht nur kleiner gestaltet ist, sondern auch einfachere Kleidung trägt und die Haare unter einer Haube verborgen hat. Die Figuren werden an beiden Seiten von Pfeilern gerahmt, die einen Giebel tragen, der das Relief bekrönt.“

Die Darstellung wird wiefolgt beschrieben:

„Zum einen wurde diese Darstellung als Wiedergabe einer typischen häuslichen Szene interpretiert, die Hegeso mit ihrer Dienerin zeigt. Für diese Deutung spricht die Kleidung der stehenden Frau, die für Dienerinnen üblich ist. Im Gegensatz zu diesem Ansatz ohne jeden Bezug zum Jenseits kann die Szene jedoch auch als Besuch einer Familienangehörigen mit Geschenken, wie es im griechischen Grabkult üblich war, am Grab der Hegeso gesehen werden. Die verstorbene Hegeso nimmt − in übertragenem Sinne − an ihrem Grab als Verstorbene selbst die Geschenke entgegen. Darstellungen dieser Art finden sich auch auf Vasen dieser Zeit.“

Unterhalb des Giebels befindet sich eine Inschrift, die folgendermaßen lautet: ΗΓΗΣΩ ΠΡΟΞΕΝΟΣ, „Hegeso, (Tochter) des Proxenos.“

Heute befindet sich dieses Grabmal im Nationalmuseum in Athen. Doch wie kommt es nach Oberbayern? Die Beschreibung des Reliefs liefert des Rätsels Lösung.