Archiv für den Monat: Oktober 2011

Wissenschaftliche Hausarbeiten schreiben I

Im „Produktivitätsblog“ imgriff.com erscheint eine Reihe über das Abfassen wissenschaftlicher Hausarbeiten. Diese Reihe empfehle ich Ihnen zur Lektüre zur Vorbereitung auf Ihre wissenschaftliche Hausarbeit – mit einer Einschränkung für die exegetischen Fächer: Sie arbeiten zunächst nur mit Ihrer Quelle, dem biblischen Text, den Sie auslegen.

Die Abfassung von exegetischen Hausarbeiten unterscheidet sich von der Arbeit in anderen Fächern. Denn zunächst geht es darum, dass Sie sich eine eigene Meinung über den Text bilden, und das tun Sie am besten zunächst nur mit einem Wörterbuch und – im Falle der Exegese des Neuen Testaments – mit einer griechischen Grammatik. Insofern steht nicht die Literaturrecherche- und auswertung für Sie an erster Stelle, sondern eine eingehende Analyse des Gewebes (lat. = textus), also der Elemente des Textes in ihrem Zusammenhang und Zusammenspiel. In Ihrem exegetischen Proseminar lernen Sie die Analyseschritte kennen, die Ihnen den Text unter verschiedenen Blickwinkeln erschließen helfen.

Wenn Sie sich durch eine solche Analyse ein eigenes Textverständnis erarbeitet haben, ziehen Sie die exegetische Literatur zurate. Mit dieser treten Sie in ein kritisches Gespräch, in dem Sie neue Erkenntnisse über den Text gewinnen, in dem Sie Ihr bisheriges Verständnis korrigieren, in dem Sie aber auch Kritik an der Position eines anderen Auslegers üben werden.

Wenn Sie dagegen gleich zu Beginn mit der Lektüre von Sekundärliteratur starten, besteht die Gefahr, dass Sie sich von der Forschungsdiskussion lenken lassen, statt von Ihrem Quellentext. Darüber hinaus kann es sein, dass Sie in der Fülle von Forschungspositionen keinen eigenen Weg mehr finden, und alles für Sie undurchsichtig wird.

Lehrbücher zur neutestamentlichen Exegese (1)

Als einer der ersten hat Wilhelm Egger in seiner Methodenlehre zum Neuen Testament. Einführung in linguistische und historisch-kritische Methoden (Freiburg im Breisgau u.a., 1. Auflage 1987) in einem Lehrbuch dargestellt, wie linguistische Methoden auf die Exegese des Neuen Testaments angewandt werden. Lange war das Buch vergriffen; nun ist es von Peter Wick unter Mitarbeit des Germanisten Dominique Wagner neu bearbeitet worden und 2011 postum als Band der „Grundlagen Theologie“ im Herder-Verlag erschienen.

Die theoretische Grundlegung (Teil 1, S. 43–65) und der 3. Teil zur synchronen Analyse (S. 106–219) wurden dem aktuellen Forschungsstand der Linguistik entsprechend völlig überarbeitet; auch sonst ist das Buch den aktuellen Erkenntnissen entsprechend angepasst und stets neue Literatur angegeben worden.

Die verschiedenen Text- und Kommunikationsmodelle Eggers wurden in ein Modell überführt, das die Sinnkonstruktion als Beziehungsgeschehen im Dreieck zwischen Sender, Botschaft und Empfänger versteht.

Hiermit liegt endlich ein Klassiker der linguistischen Exegese neutestamentlicher Texte in einer aktualisierten Fassung vor – ein Lehrbuch, dem gewünscht werden darf, dass es verstärkt in Proseminaren und Einführungen in die Exegese des Neuen Testaments seine Wirkung entfalten kann,