Apollonius von Tyana – ein offenes Forschungsfeld

Apollonius von Tyana; Münzabbildung aus Baumeister: Denkmäler des klassischen Altertums. Band I. 1885, S. 109. Lizenz: public domain / Wikipedia commons

Apollonius von Tyana; Münzabbildung aus Baumeister: Denkmäler des klassischen Altertums. Band I. 1885, S. 109. Lizenz: public domain / Wikipedia commons

Apollonius von Tyana (um 40 bis um 120 n. Chr.) war eine prägende religiöse Gestalt in der Antike. Verschiedene Quellen zeichnen allerdings divergierende Bilder von ihm: Er wurde erinnert als Wundertäter, als Kultreformer, als Philosoph – aber auch als Scharlatan und Betrüger. Seit der Spätantike, als Apollonius in der antichristlichen Polemik mit Jesus kontrastiert wurde, werden Parallelen zwischen Jesus und Apollonius beobachtet. Die These, wonach Philostrats Leben des Apollonius von den Evangelien abhängig sei, wird allerdings zu Recht nicht mehr vertreten.

Apollonius von Tyana steht derzeit im Fokus meiner Forschung. Dabei verfolge ich allerdings nicht die bereits gut erforschten Parallelen zwischen Jesus und Apollonius (vgl. Petzke 1970, Koskenniemi 1992). Vielmehr interessiert mich unter Aufnahme von Erkenntnissen und der Perspektive der sozialen Erinnerungsforschung (Social Memory Theory), wie die interessengeleitete Perspektive einer Erinnerungsgemeinschaft das Bild von Apollonius geprägt hat.

Im Zentrum steht dabei Philostrats Vita Apollonii, die in der Zeit der Severischen Dynastie entstand und die einzige erhaltene Biographie des Apollonius ist. Wir kennen recht genau die Gruppe, zu der Philostrat gehörte – der literarisch gebildete Kreis um Kaiserin Julia Domna. Fragmente anderer Überlieferungen finden sich zum Teil bei den Kirchenvätern (Euseb), es gibt aber auch archäologische Artefakte (z. B. römische Kontorniaten [Medaillons – s. bei Wikipedia]) sowie Berichte über archäologische Artefakte (Talismane, magische Schutzsäulen), die als Quellen für eine Erinnerung an Apollonius relevant sind (vgl. Hahn 2003).

Literatur

Im Folgenden liste ich einige ausgewählte Literatur zu Apollonius von Tyana auf, die für eine erste Orientierung dient. Vollständigkeit ist ausdrücklich nicht angezielt!

Quellenausgaben

  • Apollonius of Tyana. The Epistles of Apollonius and the Treatise of Eusebius, 2 Bände, übersetzt von F.C. Conybeare (LCL), Cambridge, MA 1912. [Link zur Ausgabe bei Archive.org]
  • Das Leben des Apollonius von Tyana. Griechisch-Deutsch. Herausgegeben, übersetzt und erläutert von Vroni Mumprecht (Tusculum), München / Zürich 1983.
  • The Letters of Apollonius of Tyana. A Critical Text with Prolegomena, Translation and Commentary, hrsg. von R.J. Pella (Mnemosyne, Bibliotheca Classica Batava. Supplementum 56), Leiden 1979.

Lexikoneinträge

Einführende Literatur

  • Hahn, J., Weiser, göttlicher Mensch oder Scharlatan? Das Bild des Apollonius von Tyana bei Heiden und Christen, in: B. Aland/J. Hahn/C. Ronning (Hg.), Literarische Konstituierung von Identifikationsfiguren in der Antike (Studien und Texte zu Antike und Christentum 16), Tübingen 2003, 89–109.
  • Jones, C.P., Apollonius of Tyana in Late Antiquity, in: S.F. Johnson (Hg.), Greek Literature in Late Antiquity. Dynamism, Didacticism, Classicism, Aldershot, England / Burlington, VT 2006, 49–64.
  • Speyer, W., Zum Bild des Apollonius von Tyana bei Heiden und Christen, Jahrbuch für Antike und Christentum 17 (1974), 47–63.

Apollonius und Jesus bzw. das Neue Testament

  • Petzke, G., Die Traditionen über Apollonius von Tyana und das Neue Testament (Studia ad Corpus Hellenisticum Novi Testamenti 1), 1970. [Link zu Google Books]
  • Koskenniemi, E., Apollonius von Tyana in der neutestamentlichen Exegese. Forschungsbericht und Weiterführung der Diskussion (WUNT II/61), Tübingen 1992.
  • Reimer, A.M., Miracle and Magic. A Study in the Acts of the Apostles and the Life of Apollonius of Tyana (JSNT.SS 235), London / New York 2002.

Philostrats Leben des Apollonius

  • Kemezis, A.M., Philostratus’ Apollonius: Hellenic perfection on an imperial stage, in: ders., Greek Narratives of the Roman Empire under the Severans. Cassius Dio, Philostratus and Herodian (Greek Culture in the Roman World), Cambridge 2014, 150–195.

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