Archiv der Kategorie: Arbeitstechniken

Der 2., korrigierte Druck von Nestle-Aland, 28. Auflage (2013)

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Im Jahr 2012 erschien die 28. Auflage des Novum Testamentum Graece (Nestle-Aland), in dem der textkritische Apparat gegenüber der 27. Auflage völlig verändert wurde. An 34 Stellen der Katholischen Briefe wurde der Text geändert; die Änderungen sind auf der Seite des Instituts für Neutestamentliche Textforschung Münster einsehbar.

Im Jahr 2013 wurde der zweite, korrigierte Druck der 28. Auflage des Nestle-Aland veröffentlicht. An insgesamt 31 Stellen wurde der textkritische Apparat korrigiert, und dabei  nicht unerheblich: Es gibt eine Reihe von Stellen, bei denen auch wichtigere Majuskeln (z.B. L, W) nun plötzliche eine andere Lesart unterstützen, als im ersten Druck.

Nun muss aber niemand, der sich erst im Jahr 2012 eine neue Ausgabe des NA28 gekauft hat, schon wieder eine neue Ausgabe besorgen. Das Institut für Neutestamentliche Textforschung Münster stellt eine Liste der Änderungen zur Verfügung, so dass man so auf dem neuesten Stand bleibt.

Ich habe dies entdeckt, als ich die Methode der Textkritik in einem Proseminar zufällig gerade einer dieser 31 Stellen erläutert hatte und der Apparat bei den neueren Ausgaben von NA28, die die Studenten hatten, von meinem abwich. So lernt man auch als Lehrender immer dazu!

Mehr Informationen zum neuen „Nestle-Aland“ gibt es auf den Seiten des Instituts für Neutestamentliche Textforschung Münster. Eine Einführung, die über die Hinweise im Nestle-Aland hinausgeht, hat David Trobisch veröffentlicht:

David Trobisch, Die 28. Auflage des Nestle-Aland. Eine Einführung, Stuttgart, Deutsche Bibelgesellschaft, 2. korrigierter Druck 2013. Eine englische Ausgabe ist erschienen bei der Society of Biblical Literature, Atlanta, GA.

Datenbank zum Vergleich Neues Testament/Septuaginta

Das Institut für Septuaginta- und biblische Textforschung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal unter der Leitung von Martin Karrer (Wuppertal) hat eine umfangreiche Datenbank zusammengestellt, die den Vergleich zwischen neutestamentlichen Texten und ihren Prätexten in der Septuaginta dient. Übersichtlich werden die Ergebnisse der Suche dabei ausgegeben unter der LXX EasyView. Hier können auch die Versionen und Handschriften angegeben werden, in denen gesucht werden soll.

In dieser Datenbank sind unterschiedliche Varianten (Lesarten) mehrerer Handschriften (z.B. Alexandrinus, Vatikans usw.) aufgenommen. Daneben sind auch der masoretische Text (BHS), Vulgata und Peschitta eingetragen. Darüber hinaus sind Parallelen zu den neutestamentlichen Schriftzitaten bzw. ihren alttestamentlichen Referenztexten aus frühjüdischen (z. B. Philo) und frühchristlichen (z. B. unter den Apostolischen Vätern Barnabas und 1. und 2. Clemens) aufgenommen.

Diese Datenbank erleichtert den Textvergleich bei der Intertextualitätsanalyse und ist somit ein Hilfsmittel für die Exegese des Neuen Testaments.

Evernote für Theologen

Evernote ist ein bekanntes Tool zur Organisation von Notizen (z. B. Projektnotizen) und Medien (z. B. Bilder), das als Webanwendung im Browser und auf allen denkbaren Plattformen läuft (es gibt Programme für PC, Mac, iOS, Android usw.). Der Vorteil ist, dass man die Notizen miteinander synchronisieren kann, so dass sie stets überall auf dem aktuellen Stand sind. Man kann die Notizen in verschiedenen Notizbüchern speichern (z. B. Privat, Beruf; oder nach verschiedenen Projekten), man könnte sogar das GTD-System mit Evernote verwenden.

Im Blog Evernote für Pfiffige gibt es eine Beschreibung, wie man Evernote zusammen mit der Bibelapp Olive Tree verwenden kann, um Notizen direkt von der elektronischen Bibel zur Weiterverwendung mit jedem beliebigen Programm (z. B. Word) zu synchronisieren, was den Prozess der Erstellung eines Vortrags o. ä. sicher vereinfacht. Die Beschreibung findet sich hier.

MindMapping als Hilfe zum Lernen, Lehren und Forschen

„Mind Mapping ist für das Zeitalter 
der Raumfahrt und Computer, was 
linear strukturierte Konzepte für das
 mittlere und angehende Industriezeitalter waren.“
Tony Buzan

Das Wissen zu einem bestimmten Fachgebiet lässt sich nicht linear, als Hierarchie von Wissensinhalten, darstellen – denn dabei gehen die Verknüpfungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Wissensinhalte verloren. Andererseits wird Wissen in Büchern und Artikeln wie auch in Vorträgen (auch in Lehrveranstaltungen) linear vermittelt – weil die Medien diese „Eindimensionalität“ vorgeben.

Nebenbei sei bemerkt, dass ich in meiner Dissertation zum Gottesverständnis des Paulus (dort S. 403ff.) u.a. die These vertreten habe, dass sich die Theologie des Paulus nicht angemessen auf eine lineare Weise darstellen lässt, sondern dass man dazu ein mehrdimensionales Medium bräuchte, um die gegenseitigen Abhängigkeiten und Vernetzungen der einzelnen Aspekte des paulinischen Denkens auch nur annähernd modellhaft anzugeben.

Ein Mittel, Wissens- und Gedankeninhalte auf eine nicht-lineare Weise darzustellen, die unserem Denken entgegenkommt, ist das MindMapping: Eine MindMap ist eine „Landkarte“ der Gedanken zu einem Thema oder des Wissens zu einem bestimmten Fachgebiet.

MindMapping eignet sich für Lehrende und Lernende in verschiedenen Szenarien:

  • Forschen
  • Lernen
  • Lehren

Forschen
Vielleicht kennen Sie das auch: Bevor sich ein Blatt – oder in unserer Zeit wohl eher ein Computerbildschirm – füllt, herrscht zunächst ein ungeordnetes Chaos von Gedanken zu einem bestimmten Thema im Kopf. Nicht selten blockiert gerade dies: Wo soll man denn dabei anfangen?
Dabei kann ein MindMap helfen, das Gedanken-Chaos zu strukturieren, um ein Paper, eine Hausarbeit oder einen Aufsatz zu gliedern. Mit der entsprechenden Software, die ich in einem anderen Beitrag vorstelle, kann man aus einem MindMap gleich eine Gliederung generieren.

Lernen
Für Studenten dürfte dagegen das zweite Szenario von vorrangigem Interesse sein: MindMaps können helfen, sich einen Überblick über eine große Stoffmenge zu verschaffen und sind so eine hervorragende Lernhilfe. Dabei kann das gesamte relevante Wissen zu einem Thema in Stichwörtern in der gegenseitigen Abhängigkeit der Wissensinhalte dargestellt werden. Beim Lernen kann man gewissermaßen in das Wissensgebiet „hineinzoomen“, um sich Einzelheiten einzuprägen – diese können dabei gern auch extern, z.B. auf Karteikarten, abgelegt sein. Man kann aber auch mithilfe einer MindMap wieder „herauszoomen“, um so einen Überblick über das gesamte Gebiet zu erhalten.
Ich habe erstmals im Examensrepetitorium im Wintersemester 2010/11 mit MindMaps gearbeitet und halte dieses Verfahren für sinnvoller, als lineare Auflistungen von Wissensinhalten, um z.B. Gliederungen von Examensklausuren, „zu pauken“. Die Studierenden haben diese Methode sehr begrüßt.

Lehren
Auch für Lehrende können MindMaps eine Hilfe sein, z.B. kann man aus einer ungeordneten Menge an Gedanken – ganz wie beim Szenario Forschen – die Struktur einer Lehrveranstaltung oder einer Veranstaltungsreihe (z.B. die Semesterplanung) generieren. Oder aber, mit MindMaps kann man den Stoff eines Vortrags visualisieren und komplexe Zusammenhänge darstellen.

Den Anwendungsmöglichkeiten von MindMaps in Forschung und Lehre und beim Lernen sind kaum Grenzen gesetzt. Dies soll nur eine erste Anregung sein.
In einem anderen Beitrag werde ich Software vorstellen, mit denen An dieser Stelle sollte es um das Grundsätzliche gehen. Wer mehr zum Thema erfahren will, sollte zum Buch des „Erfinders“ der MindMaps greifen, Tony Buzan. Oder aber das Internet bietet bereits eine Reihe von Hilfen, die Ihnen die Technik des MindMapping nahe bringen wollen:

(c) am Bild: Sebastian Staendecke, modern-props / pixelio.de