Kategorie-Archiv: Meine Forschungsprojekte

“Jerusalem among the Gentiles”: Jerusalem as “Realm of Memory” (lieux de mémoire) in the Pagan Greek and Latin Collective Memory

My second paper proposal for this year’s SBL Annual Meeting in Boston is scheduled for 11/20/2017, 9:00 AM to 11:30 AM.

The paper is concerned with an issue of space and will be read in the “Space, Place, and Lived Experience in Antiquity” section (Chairs: Eric C. Smith und Melanie Johnson-DeBaufre).

The title of my paper is: “Jerusalem among the Gentiles”: Jerusalem as “Realm of Memory” (lieux de mémoire) in the Pagan Greek and Latin Collective Memory. It is the first step in a new book project that takes up the concept of “realms of memory” (lieux de mémoire, “Erinnerungsorte”) of the French historian Pierre Nora in order to apply it to Luke-Acts.

Here is the text of my proposal:

An important point in considering spaces and places in antiquity is that places and locations are not only topographic items. The French historian Pierre Nora has pointed out that places and locations are focal points of collective memories and social identities that survive over generations. He calls this phenomenon “realms of memory” (lieux de mémoire). The paper takes up this methodological approach and applies it to Jerusalem, which is obviously an prominent location of collective memories and social identities in Judaism and Christianity. But Jerusalem is such a focal point not only in ancient texts of Jewish and Christian origin, but also in pagan Greek and Latin sources. In comparison with references to Jerusalem in Greek and Latin literature from the hellenistic times, the paper reconstructs how Jerusalem emerges as focal point of collective memories of the pagan elites in the Roman Empire. In the sources, particularly military encounters between the Romans and Jerusalem (under Pompeius, Titus, Hadrian) are in focus. If possible, Jewish sources (e.g. Josephus) are compared in order to shape the specific interests and purposes of the pagan sources. The paper discusses historiographic and further sources from the era of the Roman Empire (e.g. Martial, Juvenal, Philostrat) as well as numismatic and archeological remains (e.g. the Arch of Titus in Rome) in order to reconstruct Jerusalem as focal point of Roman collective memories, i.e., as “realm of memory” of Roman elites.

Metanoia in Luke-Acts: Recent Approaches and Fresh Insights

For this year’s SBL Annual Meeting in Boston two paper proposals that I made were accepted. I will read my first paper in the Gospel of Luke section on “Metanoia in Luke-Acts: Recent Approaches and Fresh Insights” at 11/19/2017, 2:30 PM.

For those who might be interested in, I attach the text of my proposal:

Metanoia is a topic of great importance in Luke-Acts. The concept of “metanoia” is, however, debated in recent scholarship. Therefore the paper summarizes important contributions in recent research on metanoia in Luke-Acts (e.g. J.-W. Taeger, H. Schönfeld, C. Stenschke, F. Méndez-Moratalla, M. Kim-Rauchholz, J.B. Green) in a first section.

In a second section it is shown that narrative representations of metanoia in Luke-Acts help to identify necessary elements of Luke’s concept of metanoia. The call for repentance that occurs particularly in John the Baptist’s proclamation and in the sermons in the book of Acts show how important metanoia is, but it remains unexplained, what metanoia is exactly and which behavior is expected. Therefore the paper considers texts such as Lk 7:36-50 (the pericope of Jesus’s annointment by a female sinner), Lk 15:11–32 (the parable of the “prodigal son”), Lk 18:9–14 (the prayer of a Pharisee and a toll collector in the temple), Lk 19:1–10 (the pericope of Zachaeus), and Lk 23:39–43 (the dialogue of Jesus and one of the crucified malefactors in the passion narrative) in order to identify regularly occurring elements in narrative representations of metanoia in Luke’s Gospel.

In a next section, these regularly occurring elements of “metanoia” are compared with individual penitential prayers from the Old Testament and the early Jewish tradition. The paper will analyze penitential prayers from the Old Testament and Early Jewish texts such as Ps 51 (Ps 50 LXX), the Prayer of Manasseh, and Joseph and Aseneth 12–13 in order to gain fresh insights concerning Luke’s concept of “metanoia”.

„Frauen, Männer, Engel“: Ein neuer Band zu 1 Kor 11,2-16

Frauen, Männer, Engel

Torsten Jantsch (Hg.), Frauen, Männer, Engel. Perspektiven zu 1Kor 11,2-16. Mit Beiträgen von David S. du Toit, Torsten Jantsch und Loren T. Stuckenbruck sowie einer Bibliographie von Jacob Brouwer (Biblisch-Theologische Studien 152), Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2015.

Wie so viele biblische Texte hat auch 1Kor 11,2–16 Denken und Handeln von Menschen geprägt. Dabei ist dieser Abschnitte zweifelsohne einer der umstrittensten Texte des Paulus. Gerade in den letzten Jahrzehnten ist der Zweck dieser Passage, aber auch eine Reihe von Einzelfragen umstritten. Die Debatte betrifft besonders die Frage nach dem Verhältnis von Mann und Frau und danach, ob Frauen eine Kopfbedeckung tragen sollen.

Ein in den Biblisch-Theologischen Studien erschienener, von mir herausgegebener Band will zur besonders in den letzten Jahrzehnten geführten Diskussion um 1Kor 11,2–16 und seine Hintergründe einen Beitrag leisten und versammelt Essays, die auf Vorträge zurückgehen, die im Dezember 2013 während eines Symposiums an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München gehalten wurden. Die in diesem neuen Band vorgelegten Beiträge beleuchten diesen schwierigen Text aus verschiedenen Perspektiven und stellen seine Forschungsgeschichte wie auch seine sozialgeschichtlichen und religiösen Hintergründe im Bereich der griechisch-römischen Kultur und des antiken Judentums dar.

Inhalt

Folgende Essays finden sich in diesem Band:

Torsten Jantsch: Einführung in die Probleme von 1Kor 11,2–16 und die Geschichte seiner Auslegung (S. 1–60).

David S. du Toit: Status und Anstand als Schlüssel zum Verständnis von 1Kor 11,2–16. Argumentationslogische und sozialgeschichtliche Überlegungen (S. 61–96).

Torsten Jantsch: Die Frau soll Kontrolle über ihren Kopf ausüben (1Kor 11,10). Zum historischen, kulturellen und religiösen Hintergrund von 1Kor 11,2–16 (S. 97–144).

Loren T. Stuckenbruck: 1. Korinther 11,10. Ein Erklärungsversuch (S. 145–185).

Jacob Brouwer: Gott, Christus, Engel, Männer und Frauen. Chronologisch-thematische Bibliographie zu 1Kor 11,2–16 (S. 187–235).

Ein Stellen- und Autorenregister helfen, den Band inhaltlich zu erschließen.

Der Inhalt im einzelnen

Zunächst führt Torsten Jantsch in den Text und in seine forschungsgeschichtlichen Probleme ein, wobei er sich auf die wissenschaftliche Diskussion seit dem 19. Jahrhundert konzentriert (S. 1–60). Es zeigt sich dabei, dass sich eine Reihe von Positionen seit der Zeit der Alten Kirche bis in unsere Gegenwart durchziehen. Es wird bei diesem thematisch strukturierten forschungsgeschichtlichen Durchgang deutlich, wie entscheidend es ist, wo ein Exeget den Ausgangspunkt seiner Auslegung nimmt. So erweist sich 1Kor 11,2–16 als Kaleidoskop, in dem das Wechselspiel der exegetischen Methoden je nach unterschiedlicher Gewichtung der Einzelaspekte ein völlig anderes Gesamtbild ergibt. Dabei spielen für diesen Text Gesichtspunkte der Semantik und des enzyklopädischen Wissens der antiken Zeitgenossen, Fragen der Textstruktur und religionsgeschichtliche Hintergründe eine Rolle. Diesen gehen auf je eigene Weise die Beiträge dieses Bandes nach, so dass auch sie die Pluralität der Meinungen aufgrund verschiedener Ausgangspunkte widerspiegeln.
David S. du Toit beleuchtet in seinem Beitrag (S. 61–96) die Argumentationslogik von 1Kor 11,2–16 und legt die expliziten und impliziten Prämissen der paulinischen Argumentation dar. Er zieht die antike Sozialgeschichte zur Interpretation des Textes heran, insbesondere den höheren sozialen Status von Männern im Vergleich zu Frauen, wie er in der antiken patriarchalen Gesellschaft als selbstverständlich angesehen wurde. In diesen Zusammenhang zeichnet er auch die Argumentation mittels des Schemas von Ehre und Schande ein. Wichtig ist dabei die parallele Formulierung zwischen 1Kor 11,7 und 11,10: Während der Mann beim Beten und prophetisch Reden nicht dazu verpflichtet ist, seinen Kopf zu verhüllen, gilt dies für die Frau nicht – sie ist dazu verpflichtet. Die entscheidende Begründung sieht er dabei im Verweis auf die Engel in V. 10, dem Dreh- und Angelpunkt der gesamten Argumentation. Als so entscheidend wertet auch Loren Stuckenbruck den Verweis auf die Engel in seinem Beitrag, während Torsten Jantsch darin nur eine unterstützende Argumentation erkennt, die in ihrer Bedeutung für 1Kor 11,2–16 nicht überschätzt werden darf.

In seinem zweiten Beitrag (S. 97–144) behandelt Torsten Jantsch zunächst die Frage, ob es überhaupt um eine Kopfbedeckung (einen „Schleier“) geht. Dies ist aus seiner Sicht und mit einem wachsenden Konsens der Exegeten zu verneinen: Das Problem, mit dem Paulus sich hier beschäftigt, betrifft die Frisur der Frauen. Daraus ergibt sich die Frage, woran Paulus dann Anstoß genommen habe. Um dies zu klären, nimmt der Beitrag seinen Ausgangspunkt bei der Direktive des Paulus in 1Kor 11,10a, dass die Frau Kontrolle über ihren Kopf ausüben soll, und erklärt dies vor dem Hintergrund ekstatischer Phänomene im Zusammenhang mit Prophetie und ihrer Wertung in der griechisch-römischen Antike.

Loren T. Stuckenbruck geht in seinem Beitrag (S. 145–185) der Frage nach, welche Rolle die Engel in 1Kor 11,10b haben. Ausgehend von antiken Sitten, sieht er das Problem, das Paulus verhandelt, in der fehlenden Kopfbedeckung der Frauen im Gottesdienst in Korinth. Den Hintergrund für die Argumentation bilden antike Konzepte von der Frau und ihrem Körper, der als für ein Eindringen äußerer Mächte gefährdet galt, und andererseits selbst eine Gefahr für Männer und Engel darstellte. So dient die Kopfbedeckung zum einen zum Schutz der Frau, und zum anderen zum Schutz vor der Frau.

Den Abschluss des Bandes bildet eine umfangreiche, thematisch und chronologisch gegliederte wissenschaftliche Bibliographie zu 1Kor 11,2–16 von Jacob Brouwer, die bei der Weiterarbeit an diesem Text sehr hilfreich sein dürfte (S. 187–235). Hierin werden zunächst Quellentexte und Sekundärliteratur nachgewiesen, die die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte von 1Kor 11,2–16 von der Zeit der Alten Kirche bis ins 20. Jahrhundert beleuchten. In einem zweiten Teil ist die wissenschaftliche Literatur seit dem 19. Jahrhundert fast vollständig erfasst – soweit Vollständigkeit in der exegetischen Wissenschaft überhaupt möglich ist.

Link

Mehr hierzu auf der Website des Neukirchener Verlages.